Freitag, September 22, 2017
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Der Karneval

Wortherkunft "Karneval" und "Fasching"

Das Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen

werden vor allem in Hessen und Rheinhessen, in der Pfalz und der Kurpfalz, sowie in Baden, Schwaben und der Schweiz verwendet. Es kommt vom Althochdeutschen Fasta (Fastenzeit) und Naht (Nacht, Vorabend) und bezeichnete ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die Woche davor. Vom Fasching spricht man vor allem in Bayern, Thüringen und Österreich. Das Wort kommt von Vaschanc, was den Ausschank des Fastentrunks bezeichnete. Das Wort Karneval bezieht man in Deutschland in erster Linie auf den Kölner Karneval.

Die Herkunft des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt. Herleitungen weisen auf * mittellat.: carnelevale (-levare) die mit der Fastenzeit bevorstehende Fleischwegnahme; * lat.: carne vale der Abschiedsruf *Fleisch lebe wohl*. * Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff auch auf das römische, vorchristliche lat. carrus navalis Schiffskarren, ein Schiff auf Rädern, das bei jährlichen Umzügen zum Wiederbeginn der Schifffahrt durch die Straßen geführt wurde, zurückgeführt. Hieraus soll sich die Tradition des Narrenschiffs gebildet haben. Jedoch ergaben Forschungen, dass das Wort carrus navalis im römischen Latein nicht existierten.

Karnevalsfreitag, Karnevalssamstag und Karnevalssonntag

Am Freitag ist relativ wenig vom allgemeinen Karnevalstrubel zu spüren. Nur vereinzelt finden Karnevalsveranstaltungen statt. Dies hat seinen Grund darin, dass der Freitag von kirchlicher Seite als Gedenktag an den Kreuzestod Christi begangen wird. Daher untersagte auch ein päpstliches Edikt von 1748 jegliches Karnevalstreiben an diesem Wochentag. Selbst lange nach dem Zweiten Weltkrieg war es verpönt, einen Karnevalsball zu veranstalten. Erst in neuerer Zeit lösen sich die Narren immer mehr von diesem Freitagstabu.

Während sich das Karnevalstreiben früher, als der Samstag noch ein gesetzlich festgelegter Arbeitstag war, auch an diesem Tag eher in Grenzen hielt, wird er heute als Teil des freien Wochenendes für vielerlei Aktivitäten genutzt. In vielen Städten und Gemeinden des Rheinlandes ist er beispielsweise der Tag der Rathauserstürmung. Die Erstürmung der Stadt- und Gemeindeverwaltung symbolisiert die Übernahme der Regierungsgewalt durch die Narren für vier Tage im Jahr. Die Organisation und Durchführung übernimmt in der Regel der örtliche Karnevalsverein. Zu den Ritualen gehören unter anderem Drohreden, Verhaftung des Bürgermeisters, Schlüsselübergabe, Übergabe der Amtsgeschäfte, Hissen der Narrenfahne u. ä.

Auch der Sonntag als Tag des Herrn stand früher nicht gerade im Zeichen närrischer Aktivitäten. Er trug daher auch den Beinamen Herrenfastnacht oder Pfaffenfastnacht. Erst mit zunehmender Säkularisierung wurde er zum Termin zahlreicher Fastnachtsveranstaltungen. Je nach Region finden am Sonntagnachmittag närrische Jahrmärkte, Schauvorführungen oder auch Karnevalsumzüge statt. Eine außergewöhnliche Besonderheit stellt der nächtliche Fastnachtsumzug am Karnevalssonntag in Boppard am Mittelrhein dar.

Rosenmontag

Der *Rosenmontag* hat nichts mit den Blumen zu zum. *Rosen* kommt von *rasen* (=wild herumlaufen,tollen). Er fällt auf den Montag nach dem Rosensonntag, der nach der mittelalterlich päpstlichen Rosensegnung benannt wurde. Traditionell finden am Rosenmontag die großen Umzüge in karnevalistischen Gebieten statt.

Der Karnevalsdienstag

Am Karnevalsdienstag wird noch einmal kräftig gefeiert. In manchen Orten findet erst an diesem Tag der Karnevalsumzug statt. Teilweise werden auch Karnevalsveranstaltungen der vorherigen Tage in abgewandelter Form wiederholt. Viele Narren genießen aber auch einfach noch einmal die Karnevalsstimmung in einem Gasthaus oder Lokal. In einer zunehmend säkularisierten Umwelt wird der Dienstagabend heute kaum noch als Vorabend zu Aschermittwoch und damit als Eintritt zur Fastenzeit empfunden, sondern eher als Ende einiger schöner, lustiger Tage. Weit mehr als heute verbreitet waren so genannte Karnevalsabschlussbräuche. In einigen Gegenden haben sie sich aber noch bis heute erhalten. Karnevalsabschlussbräuche gab und gibt es vor allem dort, wo eine Symbolfigur des Karnevals existiert. Am Karnevalsdienstag gilt es, sich ihrer zu entledigen. Sie wird daher öffentlich verbrannt oder in einer feierlichen Zeremonie zu Grabe getragen. Die Narren tragen dabei häufig ein äußeres Zeichen der Trauer, wie schwarzer Schleier, schwarzer Hut oder Zylinder oder Kränze. Die Trauer selbst ist selbstverständlich nur gespielt. Eine interessante Variante der Begräbniszeremonie ist das Begraben des Geldbeutels oder die Geldbeutelwäsche als Säuberungs- und Läuterungsaktion. Zu den sonstigen Abschlussbräuchen gehört die Rückgabe des Narrenrechts bzw. die Beseitigung von Rechtszeichen. Dazu gehört zum Beispiel die Rückgabe des Rathausschlüssels. Dort, wo ein Narrenbaum gesetzt wurde, wird er am Karnevalsdienstag gefällt oder versteigert

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Am so genannten Aschermittwoch endet der Karneval und der Kater vom Wochenende wird jetzt im Rheinland mit einem traditionellen Heringsessen bekämpft. Jetzt beginnt die 40tägige Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Seinen Namen hat der Aschermittwoch weil Asche der geweihten Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres am Aschermittwoch den Gläubigen auf Stirn oder Schädel gestreut wird.

Quelle BMK Münster